Friedrich Ani an der Europäischen Schule Frankfurt, 25. Mai 2010

Gleich für zwei Lesungen war Friedrich Ani aus München angereist. In der ersten Lesung ging es mit den Klassen S4DE und S4 2. Sprache Deutsch um sein Jugendbuch ‚Das unsichtbare Herz’, einer auf den ersten Blick etwas ungewöhnlichen Geschichte um so genannte „Spendenkinder“:

Merit, Dennis und Frederick lernen sich in einem Chatroom kennen und können es erst nicht glauben: Sie haben alle keine "richtigen" Väter, sondern wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen künstlich gezeugt. Die Suche nach ihren leiblichen Vätern bleibt zwar erfolglos, doch dass sie sich mit der Frage nach ihrer Identität auseinander setzen, macht sie stark. Wenigstens sind sie Wunschkinder, so wollen sie es zumindest sehen.

Bei den Vorbereitungen mit der Klasse hatte sich zunächst eine große Skepsis der Schüler gezeigt: Sowohl Thema als auch Protagonisten erschienen den Schülern ungewöhnlich, merkwürdig, sogar abnormal. „Müssen das immer Jugendliche mit Problemen sein?“ wurde gefragt? „Ist das nicht ein typisches Buch von Erwachsenen, angeblich für Jugendliche, in Wirklichkeit aber an den Jugendlichen vorbei geschrieben?“ Erstes Innehalten und eine lebendige Diskussion gab es aber dennoch: Nach dem Vorlesen eines realen Erlebnisberichtes aus dem Forum www.spendenkinder.de wurde schnell klar, dass die fiktive Geschichte Friedrich Anis einen sehr realen Hintergrund hat. Und dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, ob und wann die Wahrheit wichtig ist, oder ob es nicht manchmal besser ist zu schweigen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Lesung selbst zog dann recht schnell alle in den Bann. Friedrich Ani las eindringlich und fesselnd eine halbe Stunde aus dem Buch vor und schaffte es leicht den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die anschließende einstündige Fragerunde zeigte, dass gerade auch Literatur, welche nicht so schnell und leicht zu konsumieren ist, sehr wohl Anregung zum Nachdenken sein kann.

Viele Fragen gab es dann auch zu den Themen Schreiben und dem Beruf des Schriftstellers: „Wie läuft das, wenn man ein Buch herausgeben möchte?“. „Schreiben sie mehrere Bücher gleichzeitig, oder immer nur eines?“. „Wie entsteht ein neues Buch?“. „Schreiben Sie im Moment gerade wieder an einem neuen Titel?“ und viele andere Fragen wurden von Herrn Ani geduldig beantwortet. Ein Autogramm wollten dann auch die kritischsten Köpfe!

Für die zweite Lesung waren neben der Klasse S1DE auch die P5DE in die Sekundarschul-Bibliothek geladen. Diesmal ging es mit „Meine total wahren und überhaupt nicht peinlichen Memoiren mit genau elfeinhalb“ sehr lustig zu.

In diesem spannenden Kinderroman schreibt der preisgekrönte Krimi-Autor Friedrich Ani über die erste Liebe des elfeinhalbjährigen Simon Kesselbeck. Seitdem er Annalena gesehen hat, ist nichts mehr wie vorher: Simon fällt ins Schwimmbecken und rennt gegen eine Glastür. Seine Stimme ist weg, sein Presslufthammerherz wummert bis zum Kopf ... Vielleicht weiß die Nymphe Echo Rat, was Jungs tun können, wenn sie verliebt sind? Simon selbst weiß nur eines: dass ein Herzkasperl im Kopf das Schönste ist, was einem passieren kann.

Nur durch gelegentliches Kichern unterbrochen fand auch bei dieser Lesung Friedrich Ani genau den passenden Ton: Die Kinder hingen an seinen Lippen. Die anschließende Fragerunde war allerdings fast zu kurz, denn das Interesse der Schüler vor allem an der Person Friedrich Ani war sehr groß. Im Stakkato wurden Fragen gestellt und beantwortet. Auch hier wieder vor allem zum Schreiben, zum Veröffentlichen und auch Privates: „Haben Sie Kinder?“. „Haben Sie Haustiere?“ Heiteres Fazit dazu von Friedrich Ani: „Keine Kinder und keine Haustiere. Der ideale Mieter also …“

Nicht ganz unwichtig auch die Rückmeldung von Herrn Ani zu den Veranstaltungen: „In Frankfurt gibt‘s nichts zu bemängeln oder anzuregen, der Raum, die Bibliothek, ist ideal für eine Lesung, eine höchst angenehme Atmosphäre. Gern wieder mal!“

In diesem Sinne: Bis zur nächsten Lesung!

Renate Kirmse, Bibliothekarin

Friedrich Ani , Sohn eines Syrers und einer Oberschlesierin, wurde 1959 in Kochel geboren, war Polizeireporter und Kulturjournalist, ehe er mit seinem Kommissar Süden Bücher schrieb. Er erhielt den deutschen Krimipreis 2002 und 2003, den Literaturförderpreis der Stadt München und den Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayrischen Kulturministeriums. Aber er schreibt auch Jugendbücher, das erste war „Durch die Nacht, unbeirrt“, das zweite „Wie Licht schmeckt“.